Erzählungen


Ein Kennenlerntag
Ein heißer Liebhaber
Ein Mann
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Peter Heilmann
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Ein Kennenlerntag


Ein Kennenlerntag
Ein heißer Liebhaber
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Von Peter Heilmann

Eigentlich streife ich so ohne ein besonderes Ziel, durch die Parkanlagen unserer Stadt. Hin und wieder kicke ich einen Stein mit der Schuhspitze, so daß er halb hüpfend, halb rollend davonspringt.

Die Bank neben den Wasserspielen lädt zum Sitzen ein. Diese Mischung aus Wasserrauschen und Sonnenschein erinnert mich stets von Neuem an die herrliche Urlaubszeit. Der schwere Duft der beginnenden Frühlingszeit durchzieht alle Sinne.

Zuweilen durchbricht ein vorbeigehender Spaziergänger die Sonnenstrahlen, die auf mein Gesicht fallen und damit auch kurz meine "Wachträume". Stets wandert mein Blick dann ein Stück des Weges mit ihnen.

Plötzlich sehe ich sie. Wie ein Engel aus dem Himmel, so schwebt sie förmlich aus der Sonne kommend auf mich zu. Die Strahlen verleihen ihrer wundervollen Figur eine Aura aus Glanz und Wärme.

Darf ich sie wohl ansprechen? Sie ist mir ein Risiko wert! Während ich mich erhebe, biete ich ihr einen Platz auf "meiner" Bank an. Dankend nimmt sie die Einladung an, setzt sich neben mich und streift mit einer schnellen Bewegung den linken Schuh ab, um einen Stein daraus zu entfernen. Eine gute Gelegenheit, einen Blick auf ihren zierlichen Fuß zu werfen.

Der betörende Duft ihres Parfüms spricht meine Sinne noch mehr an als die Frühlingsluft. Hoffentlich bleibt sie noch sitzen. Nun lächelt sie mich an und bedankt sich für den Sitzplatz. Ihre einschmeichelnde Stimme fasziniert mich. Nun bin ich vollkommen "hin".

Fast wie in Trance höre ich mich die Einladung zu einer Tasse Kaffee aussprechen, die sie dankend annimmt. Wie unter einem Stromschlag zucke ich zusammen, als sie ihre Hand einhakend auf meinen linken Arm legt.

Ich begreife es kaum. Sie geht mit mir. Unter Tausenden bin ich der Auserwählte, der an diesem Nachmittag bei ihr sein darf.

Im kleinen Café, am Ecktisch mit Blick auf den Park verbringen wir die nächsten drei Stunden. Die Harmonie unserer Wertvorstellungen, Gedanken und Wünsche, die wir im Gespräch erfahren, läßt uns den schlabberigen Kaffee, den teilweise gefrorenen Kuchen und die Umgebung vergessen.

Es wächst langsam das Gefühl jahrelanger Vertrautheit, obwohl wir uns erst seit wenigen Stunden kennen. Nur so kann es sein, wenn die Menschen von der "Liebe auf den ersten Blick" sprechen.

Abends darf ich sie in meinem Wagen nach Hause fahren. Unterwegs "streikt der Motor" und ich nutze die Gelegenheit, ihr meine Liebe zu gestehen.

Dieser Tag zählt zu den schönsten in meinem Leben. So von Liebe durchdrungen fühlte ich mich schon lange nicht mehr. Wahrhaftig ein herrliches Gefühl, an dem ich mich monatelang erfreuen kann.

Bald machen meine Frau und ich wieder einen "Kennenlerntag", an dem wir uns "ganz zufällig" irgendwo in der Stadt treffen. Dieses Erlebnis baut uns für Wochen auf und läßt manch Sorgen zweitrangig werden.

- aus Liebfrauenbote, 28. Juni 1998

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Ein heißer Liebhaber


Ein Kennenlerntag
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Von Peter Heilmann

Die Nacht ist kalt. Der Wind bläst seinen eisigen Atem über die schneebedeckten fast menschenleeren Straßen der Großstadt, die im mitternächtlichen Mondlicht liegen. Hin und wieder befördert ein einsames Auto seine Insassen nach Hause.

An einer Kreuzung stehen frierende Polizeibeamte und führen eine "Allgemeine Verkehrskontrolle" durch. Ihr Atem weht vor ihnen gespenstig im Licht der Scheinwerfer. Die Mienen raten jedem Verkehrsteilnehmer zur äußersten Vorsicht. Den Beamten scheint es keine rechte Freude zu bereiten, unter diesen Bedingungen Dienst zu verrichten.

Gegen vier Uhr in der Frühe besteigen sie die bereitstehenden Fahrzeuge und fahren zur Wache zurück. In allen Köpfen herrscht nur noch der Gedanke an Wärme. Erwin, der noch Gutstunden hat, sagt zum Dienstgruppenleiter: "Für heute habe ich die Nase voll, ich fahre nach Hause."

Klappernd vor Kälte befreit er sein eigenes Fahrzeug vom Eis. Im Innenraum fühlt es sich mehr nach Kühlschrank als nach Auto an. Die Zähne schlagen ihm aufeinander. So in Bewegung war alles erträglich, aber nun auch noch den kalten Sitz unter dem Po und im Rücken, läßt die letzten körpereigenen Wärmereserven dahinschwinden. "Schnell nach Hause und richtig aufwärmen", zieht rotierend durch seine Gedanken.

Vor dem Haus, raus aus dem Auto. Die drei Schritte bis zur Haustüre sind schnell überwunden. Ein Griff in die Hosentasche. Schlüssel raus und mit zitternden Fingern das Schloß entriegelt. Die Aussicht auf wohlige Wärme beflügelt seine Schritte die Treppe hinauf. Schlüssel in das Schloß. Was ist das? Der Schlüssel läßt sich nicht ganz einschieben. Panik kommt auf "Angelika hat den Schlüssel innen stecken gelassen, weil sie Angst vor Einbrechern hat."

Nun ist guter Rat teuer. Morgens um vier Frau und Kinder, vielleicht sogar einige andere Hausbewohner wach schellen, scheint ihm nicht angebracht.

Er geht wieder vor die Haustür und wirft kleine Schneebälle gegen das Schlafzimmerfenster in der ersten Etage. Auch nach dem sechsten Versuch noch keine Reaktion. Dann packt ihn der Zorn, Er nimmt sein Schlüsselbund und schleudert es gegen die Scheibe. Ihm ist völlig egal, ob sie dabei zu Bruch gehen kann. "Nur raus aus der Kälte!"

Völlig verstört schaut seine Frau aus dem Fenster. Der Knall des aufprallenden Schlüssels hat sie senkrecht im Bett sitzen lassen. Sie erkennt ihren Mann und öffnet.

Er entkleidet sich schnell, denn so spürt man die wohlige Wärme des Heizkörpers, der neben dem Bett seiner Frau steht noch schneller.

Langsam "taut er auf", da die aufsteigende Hitze sofort über seine nackte Haut ziehen kann. Mit der Wärme kommen auch die Gefühle in seinen Körper zurück. Im Blick seiner Frau erkennt er Wohlwollen und Zärtlichkeit, wie öfter schon mal, wenn er nach einer langen einsamen Nacht wieder zu Hause ist. Liebevoll bückt er sich zu ihr herunter, um ihr einen Kuß zu geben. Doch bevor sich ihre Lippen berühren stößt er einen Schmerzensschrei aus und fällt über seine große Liebe.

Beim Bücken hatte er nicht bedacht, daß sein Hinterteil mit der Heizung in Berührung kommen könnte. Ein kurzes Zischen meldete den Zusammenstoß zwischen Mensch und Technik.

Das Auftragen der Brandsalbe war der einzige Zärtlichkeitsbeweis, der in dieser Nacht noch stattfand.

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Ein Mann


Ein Kennenlerntag
Ein heißer Liebhaber
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Von Peter Heilmann

Schon seit einigen Tagen habe ich von meinem Freund Reiner nichts mehr gehört. Ich rufe bei ihm an. Seine Frau meldet sich. "Hallo, Inge, ist mein Busenfreund zu Hause?" frage ich. Sie bringt zum Ausdruck, daß sie sich über den Anruf freut und sagt: "Ich weiß nicht, ob Du ihn sprechen kannst, er hat Halsschmerzen und leidet."

Über diesen Satz denke ich nun schon eine Weile nach. Wie kommt sie darauf, dass ein Mann deshalb leidet?

Der Mann, die Krone der Schöpfung. Überlegen und standhaft, in jeder Situation folgerichtig denkend und handelnd. Er hat die Fäden der Macht in seinen starken Händen. Keine Schwäche bietet für andere eine Angriffsfläche. Stets freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend erträgt er die Unzulänglichkeiten seiner Mitmenschen. Er hat dank seiner angeborenen Fähigkeiten "alles im Griff", Niemand gelingt es, sein wohlgeordnetes Weltbild ins Wanken zu bringen. Er ist einfach ... ein Mann!

Dann geschieht etwas völlig unerwartetes. Das Schicksal schlägt erbarmungslos zu. Eine um sich greifende Krankheitswelle erwischt ihn voll. Mit all seiner Kraft bäumt er sich dagegen auf, um letztendlich doch den Kampf gegen den großen Feind zu verlieren. Demütig unterwirft er sich dann seinem Los. Er zieht sich zum sterben bereit in eine Ecke der Wohnung zurück. Das Leid steht ihm ins Gesicht geschrieben, obwohl er alles vermeidet, um die Aufmerksamkeit seiner Familie auf sich zu ziehen. Voller Mitgefühl trauert jedoch die Familie treu an seiner Seite. Alle Versuche, ihn zu ermuntern, scheitern, da er den unvermeidlichen Tod vor Augen hat.

Völlig ermattet bittet er seine geliebte Lebensgefährtin um einen letzten Dienst: "Kannst Du mir bitte das Fieberthermometer geben." Nach dem Messen hat er nicht mehr die Kraft, selber einen Blick darauf zu werfen. Die Freude seiner trüben Tage liest, "37,1" ab. Nun hat er endlich die Bestätigung für seine Qual.

Mannhaft rückt er das Kissen in seinem Rücken gerade, greift nach einem Buch, um sich abzulenken und ergibt sich dann den höheren Mächten. Wie gut für ihn, dass die Frau an seiner Seite sich nicht von einer leichten Erkältung mit 39,7 Fieber abhalten läßt, ihn und die Kinder zu versorgen.

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© Copyright by Peter Heilmann - Aktualisiert: Dienstag, 01-Mai-2007